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Tagungsdokumentation

Am 9. und 10.3.2012 fand im Kunstmuseum Luzern die Arbeitstagung „Kunstvermittlung in Transformation“ zur „Vermittlung als Forschung und Veränderung von Institutionen und Verhältnissen“ statt. Vorträge, Plenum und zwei der Workshops hatten ihren Ort im ehemaligen Projektraum Kunstvermittlung. Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich an den Diskussionen und der Buchpräsentation.

Vortrag von Carmen Mörsch: “Kunstvermittlung nach der Institutionskritik”

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Vortrag von David Dibosa: “What, no audience? The end of audiences as legitimators of cultural power in the art museum”

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Anlässlich der Tagung wurde auch die Publikation zum Forschungsprojekt präsentiert: “Kunstvermittlung in Transformation. Perspektiven und Ergebnisse eines Forschungsprojektes”, Herausgegeben von Bernadett Settele und Carmen Mörsch sowie Elfi Anderegg, Jacqueline Baum, Beate Florenz, Cynthia Gavranic, Ursula Jakob, Susanne Kudorfer, Nora Landkammer, Christoph Lang, Heinrich Lüber, microsillons und Emilio Paroni. ISBN: 978-3-85881-340-4. Verlag: Scheidegger & Spiess Zürich.

Zur Bestellung im webshop Scheidegger & Spiess

Tagungskonzept und Workshops

Das Forschungsprojekt „Kunstvermittlung in Transformation (KiT)“ hatte das Ziel, Perspektiven für die Entwicklung und Erforschung der institutionellen Kunstvermittlung zu erarbeiten. Die Ergebnisse aus den fünf Teilprojekten sollen in dieser Tagung dem Berufsfeld vorgestellt werden und als Grundlage der Diskussion und Weiterentwicklung dienen.

Mit gezielt eingeladenen Expertinnen und Experten bearbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den KiT-Forschungsgruppen Fragestellungen, die sich während des Projektes ergeben haben. Die Ergebnisse des Projektes werden so in den internationalen Kontext des Berufs- und Forschungsfeldes eingespiesen, um gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

Kernfragen sind erstens die Transformation von Kunstvermittlung durch Forschungsvorhaben, besonders hinsichtlich der Entwicklung von Freiräumen und eines Verständnisses für vermittlerisches Arbeiten in Ausstellungsinstitutionen. Zum zweiten rückt der Bezug zwischen Theorie und Praxis in den Fokus, insbesondere Fragen der Anwendung von Theorien und Verfahren aus unterschiedlichen Forschungsbereichen und Disziplinen in der (und durch die) Kunstvermittlung, sowie die Wechselwirkungen zwischen “reflektierter” Praxis und “praktischer” Theorie, wie sie vom handlungsleitenden Modell der Aktionsforschung vorgeschlagen werden. Auf Basis dieser Fragen sollen die Potenziale der Verbindung der Arbeitsweisen von Vermittlung und kooperativer Forschung in Institutionen untersucht werden. Weiterhin soll die Bedeutung der Erkenntnisse für Forschung und Lehre an den Schweizer Kunsthochschulen reflektiert werden.

Die Ausgangslage in der Praxis lässt sich wie folgt charakterisieren: Nach wie vor bildet eine forschende Haltung und Raum für Reflexion im Alltag der Kunstvermittlung an Museen eine Ausnahme. Während erste Museen in Grossbritannien die Forschung in der Vermittlung bereits in ihre personellen Strukturen integriert haben und Forschungsprojekte unter Beteiligung von Laien und Expertinnen auch auf anderen Gebieten selbstverständlich stattfinden, ist die Situation im institutionellen Kontext – vor allem der hiesigen Kunstmuseen – weiterhin zurückhaltend bis prekär. Für eine zeitgemässe Weiterentwicklung dieser Organisationen erscheinen jedoch gerade Projekte, wie sie im Rahmen von “Kunstvermittlung in Transformation” (KiT) stattgefunden haben, wegweisend, indem sie gegebene Strukturen und Arbeitsweisen hinterfragen und Ausblicke in weiterführende Praxen aus anderen Disziplinen eröffnen.

Schweizer Kunsthochschulen leisten derzeit viel Entwicklungsarbeit, besonders im Bereich der künstlerischen Forschung und in Vorhaben mit inter- und transdisziplinärer Ausrichtung. Das Forschungs- und Aktionsfeld Kunstvermittlung könnte hierin in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen, insofern es beide Kriterien, das Künstlerische wie das Interdisziplinäre, beinhaltet. Im Modellprojekt „Kunstvermittlung in Transformation“ stellten wir die Notwendigkeit von Praxis ins Zentrum. In Kooperationen zwischen Hochschulen und Museen wurden Projekte entwickelt, die Forschung und vermittelnde Praktiken verbanden und auf der Zusammenarbeit in heterogenen Gruppen von Forschenden aus verschiedenen Disziplinen, langjährig Erfahrenen und Berufsanfängerinnen und -anfängern, basierten.

Ziel der wissenschaftlichen Tagung ist damit auch das Zusammenführen bisher weitgehend getrennt agierender und denkender Arbeitsfelder. Die bei KiT als Modell entstandene Forschungs- und Praxisgemeinschaft soll auf der Tagung geteilt und erweitert werden.

Nach den Begrüssungen durch Fanni Fetzer (Direktorin Kunstmuseum Luzern) und Gabriela Christen (Direktorin Hochschule Luzern Design & Kunst) sowie Einführungen von einem Museum aus (Susanne Kudorfer, Leiterin Kunstvermittlung, Kunstmuseum Luzern) und von einer Hochschule aus (Bernadett Settele, iae/ KiT Zürich) wurden die vier Teilprojekte und die Fragestellungen der  Workshops vorgestellt.

Workshop 1 (Teilprojekt Basel): Beate Florenz, HGK/FHNW, Heinrich Lüber, ZHdK und Co-Referentin: Flavia Caviezel, HGK/FHNW

Suchbewegungen zwischen Sprache, Werk und Raum

Was können Performance auf der einen und eine anschaulich orientierte Kunstgeschichte auf der anderen Seite in die Kunstvermittlung einbringen? Wie kann eine Forschung aussehen, die auf diese Potenziale fokussiert? Die Forschungsgruppe Basel wird mit den Teilnehmenden Stationen des Projektes aufgreifen und vor Ort in der Ausstellung des Kunstmuseums Luzern erproben und diskutieren. Die Co-Referentin beleuchtet aus ihrer Aussenperspektive den Forschungsmodus des Projektes.

Workshop 2 (Teilprojekt Zürich): Bernadett Settele, ZHdK, Nora Landkammer, ZHdK, Emilio Paroni, ZHdK und Co-Referentin: Karin Schneider, Wien

Aktionsforschung in der Vermittlung: Ansätze zur Transformation von Praxis und Institutionen

Wie kann Aktionsforschung dazu beitragen, Kulturinstitutionen und ihre Vermittlungspraxis hin zu einer kritischen, verantwortlichen Positionierung in der Gesellschaft weiterzuentwickeln? Im Workshop wird das Forschungsteam Zürich entlang der Erfahrungen in KiT Möglichkeiten und Problematiken von Aktionsforschungsansätzen zur Diskussion stellen. Dieser Problemaufriss bietet die Grundlage, um in Arbeitsgruppen Modelle des handelnden Forschens und forschenden Handelns für das spezifische Setting der Kunstvermittlung weiterzuentwickeln.

Workshop 3 (Teilprojekt Bern/ Genf): microsillons (Marianne Guarino-Huet und Olivier Desvoignes), Genf mit: Critical Practice, London

Barcamp: „Horizontalität“ und „Zusammenarbeit“

microsillons schlagen einen Workshop in Form eines „Barcamp“* vor. Darin sollen gemeinsam mit Mitgliedern des Clusters Critical Practice (London) neue Modelle für eine kreative Praxis entwickelt,  über die Begriffe „Horizontalität“ und „Zusammenarbeit“ nachgedacht werden. Die spezifische Struktur eines Barcamp erlaubt es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sich diesen Fragen auf einer Meta-Ebene zu stellen und sie zugleich auf eine sehr direkte Art in die Praxis umzusetzen.

Workshop 4 (Teilprojekt Bern/ Genf): Jacqueline Baum, HKB, Ursula Jakob, HKB und Co-Referentin: Nora Sternfeld, Wien

Rollenverständnis in hybriden Praxisfeldern zwischen Kunst und Vermittlung

Der Fokus unseres Workshops liegt auf den sich transformierenden Rollenbildern von Künstlerinnen und Vermittlern und der Möglichkeit des wechselseitigen Transfers von Praktiken und Verfahren zwischen den verschiedenen Tätigkeitsbereichen: Welche Wissensformen und  Erfahrungen werden dabei zusammen gedacht? Was können künstlerische und vermittlerische Ansätze von einander lernen und welche Strategien lassen sich daraus entwickeln? Welche feldspezifischen Logiken können dadurch durchkreuzt werden? Wer transformiert dabei was, warum und wohin? Und ist das immer gut? Es geht darum, die eigene Rolle an der Schnittstelle einer Kunst- und Vermittlungspraxis zu beleuchten und zu hinterfragen. Dabei soll die Tätigkeit in den jeweiligen Praxisfeldern im Mittelpunkt stehen. Grundlage der Diskussion ist die Erfahrung der teilnehmenden.

Workshop 5 (Teilprojekt Luzern): Susanne Kudorfer, Kunstmuseum Luzern, Christoph Lang, HSLU D&K und Co-Referentin: Christine Heil, Mainz

Feldforschend Kunst vermitteln

Methoden der Feldforschung finden Anwendung in der bildenden Kunst, der Kunstvermittlung und in qualitativer Forschung. An dieser Schnittstelle wurde im Luzerner Teilprojekt mit teilnehmender Beobachtung, fotografischen Dokumentationen, Forschungstagebüchern und Beschreibungen von Wahrnehmungen aus verschiedenen Perspektiven gearbeitet. Der Workshop gibt Einblick in das Material und die forschende Praxis. In praktischen Übungen wollen wir die Methoden auf das aktuelle Feld im Kunstmuseum Luzern anwenden.

Workshop 6: Ute Marxreiter, München

Entwicklung von Forschungs- bzw. Vermittlungsstrategien zu Kateřina Šedás Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern

Kateřina Šedá arbeitet als Künstlerin mit Menschen und sozialen Prozessen. Ihr Interesse gilt Vorurteilen, Konflikten und Grenzziehungen, Identitätsfindung und Gemeinschaft. Šedás Werk ist charakteristisch für eine Gegenwartskunst, die mit Mitteln arbeitet, die wir auch aus sozialwissenschaftlichem oder therapeutischem Arbeiten kennen. Das Kunstmuseum Luzern zeigt die erste Übersichtsausstellung der Künstlerin. Welche Möglichkeiten eröffnen sich damit für die Kunstvermittlung?