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Stadtbild mit Löchern: Das verschwundene Luzern – eine historische Recherche

Kooperation mit der Uni Luzern, Historisches Seminar
Forschungsseminar der Uni Luzern (Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Prof. Dr. Valentin Groebner

Wasserturm, Jesuitenkirche, Kapellbrücke (brandneu): In der Selbstdarstellung und im Stadtmarketing Luzerns steht sein “einzigartiges historisches Stadtbild” im Mittelpunkt. Die aktuellen Debatten um die Rekonstruktion barocker Brückenbilder und um mögliche Standorte für ein neues Musiktheater haben allerdings deutlich gemacht, dass nicht alles Historische immer schon dagewesen ist – im Gegenteil. Stadtbilder sind offenbar immer auch Bilder in den Köpfen, samt den dazugehörigen Brettern davor.

Das ist der Ausgangspunkt des Forschungsseminars. Wie historisch ist das gegenwärtig sichtbare Stadtbild an der Reuss und am See eigentlich? In einer Reihe von Recherchen wird sich das Seminar verschwundenen Bauwerken und ihrer Geschichte widmen. Hertensteinhaus, Hofbrücke und Balthasarhaus sind wie das Meyer’sche Diorama, der Zeppelinflughafen, das Inseliquartier oder das Kunst- und Kongresshaus samt Vorläuferbau heute unsichtbar. Sie sind gewissermassen Löcher und bezeichnende blinde Flecken der Stadtgeschichte, weil sie jeweils verschiedene Inszenierungen und Entwicklungsschübe markieren: Luzern historisch als Boomtown, Puppenstube oder Disneyland.

Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern (Susanne Kudorfer, Gioia Dal Molin) statt; im Anschluss ist eine Präsentation der Semesterarbeiten im Projektraum des Kunstmuseums geplant.

Einführende Literatur:

Stanislaus von Moos: “Nicht Disneyland”. Luzern zwischen Vandalismus, Wiedergutmachung und special effects, in: Ders., Nicht Disneyland. Über Modernität und Nostalgie, Zürich 2004.

Link zum Historischen Seminar der Universität Luzern